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Was ist eigentlich ein Hirtenbrief?:Orientierung, Ermutigung und geistliche Begleitung

Ein Schafherde, die einem Hirten folgt
Datum:
20. Februar 2026

Ein Hirtenbrief ist eine schriftliche Botschaft eines Bischofs oder einer Bischofskonferenz an die Gläubigen seines Bistums. Der Name geht auf das biblische Bild des „Hirten“ zurück, der seiner Herde Orientierung, Ermutigung und geistliche Begleitung schenkt. Ein Hirtenbrief will genau das: den Glauben vertiefen, die Gemeinschaft stärken und die Kirche auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam machen.

Hirtenbriefe werden meist zu besonderen Zeiten – wie Advent, Fastenzeit oder wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen – veröffentlicht. Sie sollen:

  • Glauben stärken: Sie greifen zentrale Fragen des christlichen Lebens auf.
  • Orientierung geben: Sie helfen, gesellschaftliche Themen aus christlicher Perspektive zu deuten.
  • Verantwortung wecken: Sie laden ein, den Glauben im Alltag zu leben und Kirche aktiv mitzugestalten.
  • Einheit fördern: Da der Brief an alle Gläubigen eines Bistums gerichtet ist, erinnert er an die gemeinsame Verantwortung innerhalb der Kirche.

Traditionell werden Hirtenbriefe in den Gottesdiensten verlesen. Heute findet man sie zusätzlich auf Bistumswebseiten oder in Pfarrbriefen – so erreichen sie viele Menschen.

Im Laufe der Zeit gab es einige Hirtenbriefe, die weit über ihr Bistum hinaus Bedeutung gewonnen haben. Beispiele sind:

  • Hirtenworte von Bischof Clemens August Graf von Galen (1941)
    Der Münsteraner Bischof verfasste mehrere Predigten und Hirtenworte, in denen er öffentlich die nationalsozialistische Euthanasiepolitik verurteilte. Seine klare, unerschrockene Haltung wurde zu einem wichtigen Zeichen kirchlichen Widerstands. Diese Schreiben gelten bis heute als eindrucksvolle Zeugnisse christlicher Gewissensstärke.
  • „Wort der deutschen Bischöfe zum Frieden“ (1983)
    In der Zeit des Kalten Krieges veröffentlichten die deutschen Bischöfe ein umfassendes Friedenswort, in dem sie sich mit atomarer Aufrüstung, Gewaltfreiheit und christlicher Friedensethik auseinandersetzten. Es prägte viele Diskussionen in Kirche und Gesellschaft und zeigt, wie Hirtenbriefe in wichtigen Zeiten Orientierung geben können.

Auch in unserer Zeit stehen Christinnen und Christen vor Fragen: Wie leben wir unseren Glauben in einer sich wandelnden Gesellschaft? Wie gehen wir mit Krisen, Spannungen und Herausforderungen um? Hirtenbriefe bieten keine einfachen Lösungen, aber sie helfen, den Blick auf das Evangelium auszurichten und mutig Schritte zu gehen.

Sie erinnern uns daran, dass wir als Kirche nicht nur „nebenher“ leben, sondern gemeinschaftlich unterwegs sind – getragen von der Hoffnung, die Christus uns schenkt.