Gehören säkulare Termine in den Pfarrbrief?:Zwischen Kirchturm und Marktplatz

Pfarrbriefe und Newsletter informieren über Gottesdienste, Veranstaltungen und das Leben der Gemeinde. Doch immer wieder stellt sich in Redaktionen die Frage: Sollten auch säkulare Termine ihren Platz finden? Das Stadtfest, die Blutspendeaktion des Roten Kreuzes, das Konzert des Musikvereins oder der Ehrenamtstag der Kommune?
Die Antwort lautet weder eindeutig Ja noch Nein. Vielmehr geht es darum, welches Selbstverständnis eine Pfarrei von ihrer Kommunikation hat.
Kirche lebt nicht im luftleeren Raum. Sie ist Teil eines Dorfes, eines Stadtteils oder einer Region. Menschen bewegen sich täglich zwischen Familie, Beruf, Vereinen, Kultur und Glauben. Wer diese Lebenswirklichkeit im Pfarrbrief aufgreift, signalisiert: Wir interessieren uns für das ganze Leben der Menschen und nicht nur für das, was innerhalb der Kirchenmauern geschieht.
Ausgewählte Hinweise auf kulturelle, soziale oder gemeinwohlorientierte Veranstaltungen können deshalb einen Mehrwert schaffen. Sie zeigen die Verbundenheit der Pfarrei mit dem gesellschaftlichen Leben vor Ort und fördern die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen, sozialen Einrichtungen oder kommunalen Akteuren. Ein Pfarrbrief, der über den eigenen Tellerrand hinausschaut, wird oft auch als offener und lebensnäher wahrgenommen.
Gleichzeitig braucht es Augenmaß. Der Auftrag eines Pfarrbriefes besteht nicht darin, ein allgemeines Veranstaltungsheft zu sein. Werden zu viele externe Termine aufgenommen, droht das kirchliche Profil unscharf zu werden. Gottesdienste, spirituelle Angebote und das Gemeindeleben dürfen nicht zwischen zahlreichen anderen Ankündigungen untergehen. Zudem stellt sich schnell die Frage nach der Auswahl: Warum wird die Veranstaltung eines Vereins veröffentlicht, die eines anderen aber nicht?
Deshalb empfiehlt es sich, klare Kriterien festzulegen. Geeignet sind insbesondere Veranstaltungen, die dem Gemeinwohl dienen, Menschen zusammenführen oder einen Bezug zu den Werten der Kirche haben. Dazu gehören beispielsweise kulturelle Veranstaltungen, soziale Initiativen, Familienangebote, Bildungsangebote oder ehrenamtliches Engagement. Rein kommerzielle oder parteipolitische Veranstaltungen sollten dagegen kritisch geprüft werden.
Bewährt hat sich auch eine eigene Rubrik wie „Aus dem Ort“, „Gemeinsam in unserer Region“ oder „Termine aus der Nachbarschaft“. So bleibt deutlich erkennbar, welche Angebote von der Pfarrei selbst stammen und welche aus dem gesellschaftlichen Umfeld kommen.
Letztlich kann die Aufnahme ausgewählter säkularer Termine ein Gewinn sein: Sie stärkt die Vernetzung, erhöht die Nähe zur Lebenswelt der Menschen und zeigt Kirche als aktiven Teil der Gemeinschaft. Voraussetzung ist jedoch, dass der Pfarrbrief sein eigentliches Anliegen nicht aus den Augen verliert: Zeugnis vom Glauben zu geben und das kirchliche Leben sichtbar zu machen.
Faustregel: So viel Offenheit wie möglich – so viel kirchliches Profil wie nötig. Dann können Kirchturm und Marktplatz im Pfarrbrief gut miteinander ins Gespräch kommen.