Mit Papst Leo XIV. beten wir im April für die Priester, die in ihrer Berufung mit Momenten der Krise kämpfen: Dass sie Begleitung finden und ihre Gemeinden sie mit Verständnis und Gebet mittragen.
„Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen“ Paulus spricht im 2. Korintherbrief über den Glauben, aber er scheint mir auch für die Frage der eigenen Berufung zu gelten. Lange wurde gerade die priesterliche Berufung als etwas verstanden, das man verteidigt, das abschirmt, das den, der sie trägt, von anderen trennt. Aber keine Berufung macht unverwundbar. Wer zum Priestertum berufen ist, steht nicht über den Dingen, sondern mittendrin. Mit seinen Zweifeln, Müdigkeit, und Einsamkeit, die das Leben bereithält.
Und mir scheint es, als ob gerade die Einsamkeit wächst. Der Glaube ist leiser geworden in der Gesellschaft und wird mehr hinterfragt. Der priesterliche Lebensentwurf ist vielen Menschen fremd. Manche begegnen ihm mit Unverständnis, manche mit der Frage: Warum tust du dir das an? Wärst du nicht anders glücklicher? Ich glaube, dass viele Priester dieses Fremdeln spüren. Im Gespräch, das abbricht. In den Fragen nach dem was einem heilig ist, aber die immer weniger Menschen stellen. Und jedes dieser Momente kann sich auf die Berufung wie eine Schicht legen. Irgendwann hat sich dann aus diesen vielen kleinen, leisen Zweifeln von außen etwas aufgetürmt, das nicht mehr leise ist: der Gedanke, das eigene Leben falsch gewählt zu haben. Das ist kein kleines Fremdeln mehr, gleich einer Grille. Das ist groß und gewaltig. Fast wie ein Drache.
Paulus wusste, wovon er sprach. Aber die Zerbrechlichkeit war für ihn kein Makel, sondern der Ort, an dem Gottes Kraft sichtbar wird. Und er wusste: Niemand trägt diesen Schatz allein. Berufung zum Priestertum ist kein Einzelprojekt. Sie ist der Kirche anvertraut. Uns allen. Wo ein Priester mit seiner Berufung ringt, sind wir gefragt. Mit Verständnis. Mit Gebet.
Ein zerbrechliches Gefäß braucht viele Hände, die es halten. Und mitten in der Osterzeit können wir hoffen, dass für hoffentlich viele Priester, die mit ihrer Berufung hadern, nicht manche stille Einsamkeit und Trauer überhandnehmen. Sondern die eigene Berufung wieder eine Freude werden kann, die Paul Claudel in diese Worte zur Osternacht fasst:
Erik Hau
„Auch meine Seele entreißt sich dem Grabe mit einem nicht endenden Lachen,
Glaubend an meinen Erlöser besiege auch ich den Drachen.“

