Mit Papst Leo beten wir für um einen rechten Gebrauch des Reichtums, der nicht der Versuchung des Egoismus erliegt und sich immer in den Dienst des Gemeinwohls und der Solidarität mit denen stellt, die weniger haben.
Eine der wichtigsten Lektionen über Reichtum habe ich beim händischen Wäschewaschen jeder Menger Kinderkleidung bei meinem Freiwilligendienst in Keina gelernt. Dort saß ich mit einer älteren Frau zusammen, die dort für Küche und Haushalt zuständig war. Wir sprachen über die großen Unterschiede zwischen unseren Lebenswelten und mein schlechtes Gewissen angesichts der ungerechten Verteilung von Wohlstand. Warum habe ich so viele Möglichkeiten, während andere Menschen mit so wenig auskommen müssen? Ich habe mir schließlich weder meine Herkunft noch die gesellschaftlichen Voraussetzungen ausgesucht, unter denen ich aufgewachsen bin und in denen ich heute leben darf. Die Frau brachte es damals mit einem einfachen wie genialen Satz auf den Punkt: „Niemand wird alleine reich.“ Wie wahr: Allzu gerne erzählen wir uns, dass Wohlstand vor allem das Ergebnis eigener Leistung sei. Wer hart arbeitet, der bringe es schließlich auch zu etwas. Doch so einfach ist es keineswegs. Manche Menschen erben Häuser und Vermögen, andere wachsen in Armut auf. Manche profitieren von guter Bildung, Sicherheit und funktionierender Infrastruktur, andere können von solchen Rahmenbedingungen nur träumen. Und selbst wer sich seinen Wohlstand hart erarbeitet hat, verdankt ihn auch immer den Menschen, die dafür die Voraussetzungen geschaffen haben. Niemand wird alleine reich. Das macht persönliche Leistung nicht unbedeutend. Aber es erinnert uns daran, dass Reichtum niemals nur Privatsache ist. Im christlichen Glauben ist das, was wir besitzen, nicht nur unser Eigentum, sondern immer auch etwas, das uns anvertraut ist. Daraus erwächst die Verantwortung nicht nur vom eigenen Überfluss abzugeben, sondern auch für gerechtere Chancen und faire gesellschaftliche Verhältnisse einzutreten. Denn wenn niemand alleine reich wird, sollte auch niemand alleine reich bleiben wollen.
Michael Michels
Gebet
Gott der Gerechtigkeit, wir bringen vor dich eine Welt, in der Reichtum und Lebenschancen so ungleich verteilt sind.
Wo wenige im Überfluss leben, fehlt anderen das Nötigste.
Wir bitten um offene Augen für diese Ungerechtigkeit, um Dankbarkeit für das Empfangene
und um den Mut, Wohlstand in den Dienst aller Menschen zu stellen.
Amen.
