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Entschieden für gemeinsame Verantwortung

Ehrenamtlich im Leitungsteam

"Geht das denn überhaupt? Das ist doch ein Fulltimejob! Wie sollen Augenhöhe und Gleichberechtigung in einem solchen Team aus Haupt- und Ehrenamt entstehen? Und auch: Für eine solche Aufgabe findet man sowieso niemanden!" 

Solche Fragen und Bedenken bewegen viele, seit die Synode von der Möglichkeit gesprochen hat, dass im Leitungsteam auch zwei Ehrenamtliche mitarbeiten sollen. Dass Ehrenamtliche Sitz und Stimme im Leitungsteam einer Pfarrei haben und so an allen zentralen Entscheidungsprozessen auf dieser Ebene unmittelbar beteiligt sein sollen, ist in der katholischen Kirche in Deutschland bisher beispiellos (vgl. § 27 PGO). Neben den Mitwirkungsmöglichkeiten im Rat der Pfarrei und der Synodalversammlung führt diese neue Rolle von „Laien“ zu einer weiteren Stufe auf dem Weg zu einer beteiligungsorientierten Kirche.

Die ehrenamtlichen Mitglieder im Leitungsteam können ihre Perspektiven dazu einbringen, wie die lokale Kirchen-Entwicklung weitergedacht werden kann; und sie werden entsprechend mitentscheiden. Damit übernehmen sie im Leitungsteam zugleich eine Modellfunktion für eine mündige und verantwortungsbereite Kirchenmitgliedschaft. (Dies gilt ähnlich auch für die Mitarbeit im Rat der Pfarrei.)

 

Die Beteiligung von Ehrenamtlichen an der Leitung der Pfarrei ist ernst gemeint und ausdrücklich gewollt. Das ist Ausdruck eines neuen Kirchenverständnisses, welches im Synoden-Abschlussdokument grundgelegt ist.

  • Ehrenamtliche gehören ins Leitungsteam! Switch

    Trotzdem: Was wäre, wenn sich niemand für eine ehrenamtliche Mitarbeit im Leitungsteam der Pfarrei fände? Natürlich würde die Pfarrei auch in diesem Fall ihren Betrieb aufnehmen; sie hätte auch eine Leitung. Allerdings gehören ehrenamtlich Engagagierte zur ordnungsgemäßen Besetzung des Leitungsteams der Pfarrei konstitutiv dazu. Das ist weder beliebig noch verzichtbar. Deshalb sieht das „Gesetz zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013 – 2016“ die ehrenamtliche Beteiligung im Leitungsteam verbindlich vor. Wo eine Wahl von Ehrenamtlichen ins Leitungsteam nicht zustande kommt, müssen Leitungsteam und Rat der Pfarrei jedes Jahr einen neuen Anlauf unternehmen, motivierte und geeignete Personen zu finden.

    Die Beteiligung von Ehrenamtlichen an der Leitung der Pfarrei ist ernst gemeint und ausdrücklich gewollt. Das ist Ausdruck eines neuen Kirchenverständnisses, welches im SynodenAbschlussdokument grundgelegt ist. Neben den Ehrenamtlichen im Leitungsteam üben auch die Engagierten im Rat der Pfarrei Leitungsfunktionen aus. Es geht dabei um ein neues Zueinander von Haupt- und Ehrenamt, um geteilte und gemeinsam getragene Verantwortung. Die Zusammensetzung des Leitungsteams wird auch darin Beispiel gebend für alle Ebenen der Pfarrei sein; Ausmaß und Qualität der Beteiligung werden zum Qualitätsmerkmal für die Umsetzung der Synode. Der Rat der Pfarrei wählt die Ehrenamtlichen für das Leitungsteam. Der Bischof bestätigt sie im Amt. Die Amtszeit der ehrenamtlichen Mitglieder des Leitungsteams dauert vier Jahre. Eine Wiederwahl ist bis zu zwei Mal möglich. (Vgl. § 31 und § 36 PGO, WOELT)

  • Welche Personen sind geeignet für diesen Dienst? Switch

    Generalvikar Ulrich von Plettenberg hat es so beschrieben: „Für das Leitungsteam werden Personen gesucht, die mit Zuversicht und Offenheit Veränderungsprozesse gestalten und begleiten wollen, die Freude daran haben, die Synode umzusetzen.“ Wer sich für die Mitarbeit im Leitungsteam interessiert, muss sich bewusst sein, dass er oder sie damit nicht einfach die Interessen der eigenen bisherigen Pfarrei vertritt; sie oder er übernimmt vielmehr Verantwortung und Lobbyarbeit für die Pfarrei als Ganze. Das Engagement im Leitungsteam ist eine Dienstleistung an der Gesamtpfarrei – und darüber hinaus auch am Bistum Trier und an der Weltkirche.

    Natürlich braucht eine Christin oder ein Christ eine konkrete „Heimat“; meist verbindet die sich mit einem lokalen Lebensort und mit bestimmten Ausdrucksformen des Glaubens. Wer im Leitungsteam und im Rat der Pfarrei Verantwortung übernimmt, braucht und bekommt darüber hinaus noch eine andere Beheimatung in der Kirche: Er oder sie bringt sich ein und findet sich als Teil der Glaubensgemeinschaft in ihrer räumlichen Weite und in ihrer Veränderlichkeit durch die Zeiten hindurch. Das wird gelingen in der Zuversicht, dass Gott überall und zu allen Zeiten mit seiner Kirche geht.

Grundlage: Das Rahmenleitbild

Das „Rahmenleitbild“ ist und beschreibt die Grundlage des Lebens und der Arbeit in der Pfarrei. Leitungsteam und Rat der Pfarrei tragen die Verantwortung für eine missionarisch-diakonische Kirchenentwicklung; sie setzen entsprechende Schwerpunkte und steuern den Einsatz der Ressourcen. Ihre vordringlichen Aufgaben sind die Koordination von „Orten von Kirche“, die Kooperation mit Akteuren im gesellschaftlichen Raum sowie ein konstruktives Interessen- und Konfliktmanagement. Das Leitungsteam vertritt die Pfarrei nach außen.

Es geht also vor allem um strategische Aufgaben und um eine Gesamtverantwortung. Für die Frage, ob jemand für die Leitung der Pfarrei geeignet ist, wird weniger der Zeitfaktor entscheidend sein, sondern die Haltung, mit der jemand im Team mitarbeitet. Und: Diese Aufgabe muss man und frau wollen.

  • Teamkultur - Arbeitsstruktur - Unterstützungssysteme

    Rahmenbedingungen, damit Ehrenamtliche im Leitungsteam ihre Aufgaben gut bewältigen können

    Aus der Fülle einzelner Notwendigkeiten lassen sich zusammenfassend drei wesentliche Aspekte benennen, die für das Gelingen einer ehrenamtlichen Mitarbeit im Leitungsteam gegeben sein müssen: Teamkultur, Arbeitsstruktur und Unterstützungssysteme.

    Teamkultur

    Das ehrenamtliche Mitglied im Leitungsteam muss wahrnehmen und spüren können, dass es willkommen ist; auch mit einem möglicherweise kleinen Zeitbudget und mit einem geringeren Detailwissen ist es kein Belastungsfaktor, sondern eine Bereicherung für das Zustandekommen von wesentlichen Leitungsentscheidungen. Die erste Sorge für diese „Willkommenskultur“ obliegt den hauptamtlichen Mitgliedern des Leitungsteams.

    Arbeitsstruktur

    Es muss möglich sein, die ehrenamtliche Rolle im Leitungsteam mit einem klar vereinbarten Zeitkontingent zu erfüllen. Wenigstens vier bis sechs Stunden pro Woche sollten für die Mitarbeit zur Verfügung stehen, mehr ist selbstverständlich möglich. Zuständigkeiten und deren Umfang müssen dem Zeitbudget angepasst und klar vereinbart werden.

    Grundlage der Beteiligung an der Leitung der Pfarrei ist die Teilnahme an Teamsitzungen und Entscheidungen. Im Gesetz zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode ist in § 25, Absatz 3 PGO geregelt, dass das Leitungsteam grundsätzlich in der „ordnungsgemäßen Besetzung“ entscheidet, also in Anwesenheit der ehrenamtlichen Mitglieder. Dagegen kann das Leitungsteam die laufenden Verwaltungsgeschäfte in der Besetzung ohne die gewählten ehrenamtlichen Mitglieder führen (ebenda, Absatz 6). Das bedeutet: Alle wichtigen strategischen Entscheidungen trifft das Leitungsteam gemeinsam, während das „Alltags-Geschäft“ nicht durch knappe Zeitressourcen der Ehrenamtlichen beeinträchtigt wird. Die Übernahme bestimmter einzelner Zuständigkeiten oder Ressorts muss jeweils vom Zeitangebot und von den Kompetenzen abhängen, die der oder die Ehrenamtliche einbringt. Dementsprechend wird eine Aufgabenbeschreibung zu erstellen sein.

    Unterstützungssysteme

    Ehrenamtliche im Leitungsteam erhalten eine grundlegende Schulung, damit sie gut in die Rolle hineinkommen. Darüber hinaus sieht sich das Bistum verpflichtet, jede Form der Qualifikation zu gewährleisten, die für die jeweils individuell übernommenen Aufgaben erforderlich ist. Außerdem werden Beratungsformen wie z. B. Supervision zur Verfügung gestellt. Zur Unterstützung gehören auch der materielle Ausgleich von Aufwendungen wie z. B. Büromaterial oder der Zugang zur Infrastruktur des Pfarrbüros.

  • Persönliche Voraussetzungen für die Mitarbeit im Leitungsteam der Pfarrei

    Folgende fünf Aspekte können Orientierung bieten und als Entscheidungshilfen dienen:

    1. Verbindlichkeit trotz Freiwilligkeit

    Die Mitarbeit im Leitungsteam ist gekennzeichnet durch einen hohen Verantwortungsgrad. Die kirchliche Beauftragung (durch den Bischof) betont diese Verbindlichkeit besonders. Dabei kann es durchaus Gründe geben, wegen bestimmter berufl icher oder familiärer Belastungen kürzer zu treten oder vorzeitig auszuscheiden. Die Frage, ob er oder sie jetzt und auf zunächst wenigstens vier Jahre eine solche Aufgabe verbindlich übernehmen kann, sollte jede oder jeder trotzdem vor diesem Hintergrund gut prüfen.

    2. Führung braucht Haltung und Spiritualität

    In kirchlichen Kontexten wird gern Harmonie beschworen, während Konfl ikte als ungewollte Ausnahme lieber vermieden und verdrängt werden. Die Rolle im Leitungsteam erfordert eine eindeutige Kompetenz im Führen und Leiten. Das bedeutet auch, dass Konflikte als normale Realität zu akzeptieren sind; das Leitungsteam wird eine Rolle einzunehmen haben, die auf Klärung und Entscheidung hinarbeitet.

    Führung heißt, Menschen zu ermuntern, dass sie ihr Potenzial im Dienst der Sache entfalten, und Feedback zu geben. Die „Kunst“ besteht darin, auf Zeichen von Macht und Herrschaft zu verzichten und zugleich entscheidungsbereit und führungswillig zu sein. Das erfordert ein hohes Maß an Demut in diesem Dienst an der Gemeinschaft. Eine solche Demut ist eine wesentliche Grundlage für eine angemessene Spiritualität für diese Rolle.

    Sicher müssen Personen im Leitungsteam persönlich im Glauben der Kirche verwurzelt sein. Darüber hinaus erfordert die Übernahme von Verantwortung in der Organisation immer auch, dass die betreffenden Personen in Entscheidungssituationen klar und sachbezogen agieren und zugleich glaubwürdig bleiben im Blick auf den Menschen und das Evangelium. 

    3. Selbstverständnis und Rollenverständnis

    Aus der Haltung entwickelt sich ein angemessenes Rollenverständnis: es sollte so authentisch wie möglich sein, damit die Person hinter der Rolle sichtbar und greifbar bleibt; und so formal wie nötig, damit das Handeln berechenbar und transparent bleibt. Außerdem benötigen ehrenamtliche Leitungspersonen ein sicheres Auftreten sowohl im Team wie auch in der Öff entlichkeit. Dazu gehört die Fähigkeit, situationsgemäß eigenständig zu handeln. Vor allem müssen sich die ehrenamtlichen Mitglieder im Leitungsteam bewusst sein, dass sie eine Leitungsaufgabe im Geist des Evangeliums und der Synode übernommen haben.

    4. Teamfähigkeit und Loyalität

    Es kommt darauf an, innerhalb des Leitungsteams sachbezogen und transparent zu kommunizieren (und ggfs. zu streiten) und nach außen stets Loyalität zu wahren. Dazu gehört, dass alle Mitglieder des Teams Entscheidungen auch dann mittragen, wenn sie selbst evtl. anderer Meinung sind, und dass sie Entscheidungen nicht unterlaufen. Loyalität ist gegenüber dem Team gefordert – und ähnlich auch gegenüber der Kirche im Bistum Trier und der Synode.

    Zur Teamfähigkeit gehört auch die Bereitschaft, Feedback zu geben und Feedback anzunehmen. Haupt- und ehrenamtliche Rollenträger müssen Interesse und Bereitschaft zeigen, das eigene Handeln zu reflektieren und es im Team gemeinsam zu bedenken. Dazu zählt auch die Inanspruchnahme von Supervision und Coaching. Teams können sich nur entwickeln, wenn sie veränderungsbereit und in der Lage sind, konstruktiv-kritisch auf die gemeinsame Arbeit zu schauen.

    5. Fachkompetenz

    Die Aufgaben im Leitungsteam sind vielfältig. Niemand wird alle geforderten Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen. Kerngedanke der Teamarbeit ist die gegenseitige Ergänzung. Jedes Teammitglied muss für die Bereiche, die es übernimmt, die notwendigen Qualifikationen besitzen oder erwerben. Vorausgesetzt wird auf jeden Fall die Bereitschaft, sich in die übernommenen Verantwortungsbereiche fachlich einzuarbeiten und entsprechende Fortbildungsmaßnahmen zu absolvieren. Dazu gehören beispielsweise die Einführung in verschiedene Rechtsfragen, in betriebswirtschaftliche Themen, in Fragen der Theologie; es kann hilfreich sein, Kenntnisse im Moderieren und Präsentieren zu erwerben – und vieles andere mehr. Zugleich ist klar, dass alle Interessierten bereits ein Bündel an Kompetenzen mitbringen werden; denn 60 bis 70 Prozent der eigenen Kompetenzen erwirbt der Mensch informell in der eigenen Lebenspraxis.

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