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Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON):Die Hare-Krishna-Bewegung

Die Mitglieder der Hare-Krishna-Bewegung sind schon in den 1970er Jahren durch öffentliche Aktivitäten im Straßenbild bekannt geworden.
ISKCON-Anhänger In Trier (Juni 2013)
Datum:
17. Juli 2013
Von:
Bistum Trier

Anhänger der ISKCON ziehen auch heute wieder durch die Straßen, um für die ISKCON zu werben. Viele tragen orangefarbenen Gewändern, manche von ihnen haben sich den Kopf zum Zeichen der Demut bis auf einen dünnen Haarzopf kahlgeschoren. "Sankirtan" wird diese Straßenmission genannt.

Das Verteilen von Werbezetteln, der Verkauf von Büchern gegen Spenden und das werbende Ansprechen von jungen Menschen wird immer wieder durch das sogenannte "Chanten" unterbrochen .

Bekannt wurde der "Maha-Mantra", der heilige Spruch der Krishna-Bewegung, durch den Song "Hare Krsna, Hara Krsna" im Musical "Hair":

"Hare Krishna Hare Krishna
Krishna Krishna Hare Hare
Hare Rama Hare Rama
Rama Rama Hare Hare"

Das Wort "Hare" wird als Energie des Herrn angesprochen, und die Worte "Krishna" oder "Krsna" und "Rama" sind Anredeformen des Herrn selbst.

In der Öffentlichkeit, besonders bei der Straßenmission, treten die Anhängerinnen und Anhänger der Bewegungen jedoch nicht nur in ihren orangefarbenen Gewändern in Erscheinung. Oft sind sie unauffällig gekleidet. Man erkennt sie mitunter an den Bücherstapeln, die sie mit sich führen und dem Versuch,  junge Menschen zu missionieren.

Die ISKCON und ihr Gründer

Der Gründer der Krishna-Bewegung ist der Inder Abhay Charan De (1895 - 1977). Er gründete die Bewegung 1966. Er selbst ließ sich zu Lebenszeiten als "Seine Göttliche Gnaden A. C. Bhaktive danta Swami Prabhupada" verehren. Nach eigenen Aussagen hat Prabhupada die Gottweihe von seinem spirituellen Meister Sri Srimad B. Sarasvarti Gosvami Maharaja Prabhupada erhalten, mit dem Auftrag, das Krishna-Bewusstsein in der westlichen Welt zu verbreiten.

Nach Auffassung der ISKCON ist das Krishna-Bewusstsein für die menschliche Gesellschaft von fundamentaler Bedeutung, denn es allein bietet die Möglichkeit, die höchste Vollkommenheit des Lebens zu erreichen. Um das Krishna-Bewusstsein zu erreichen, "chanten" (= singen) die Mitglieder der Krishna-Bewegung das Hare Krishna Hare Krishna Hare Mantra. Dieses Mantra kann entweder gesungen (= kirtana) oder halblaut gesprochen werden (= japa). Bei der japa-Methode wird eine Meditationskette verwendet. Sie besteht aus 108 Holzperlen und einer Hauptperle. Man nimmt die Kette in die rechte Hand, hält die erste Perle zwischen Daumen und Mittelfinger und beginnt den vollständigen Mantra zu chanten. Nachdem alle 108 Perlen "durchgechantet" sind, hat man eine Runde gechantet. Täglich sollen mindestens 16 Runden gechantet werden. Jeden Tag wird also mindestens 1.728 mal das "Hare Krishna -Mantra" gechantet.

Über die USA kam der erste Krishna-Mönch 1969 nach Deutschland, um hier zu missionieren. Nach Prabhupadas Tod (1977) übernahmen zunächst elf Nachfolger (Successor Gurus) die Leitung der Bewegung. Dieses Modell scheiterte. Heute gehören der Bewegung nicht mehr alle dieser Successor Gurus an.

Über seine eigene Rolle und die Rolle des Spirituellen Meisters (Gurus) schreibt Swami Prabhupada:
"Die Schüler und der spirituelle Meister sind niemals getrennt, denn der spirituelle Meister hält immer die Gemeinschaft mit dem Schüler, solange der Schüler den Unterweisungen des spirituellen Meisters folgt.
Solange der spirituelle Meister physisch gegenwärtig ist, sollte der Schüler dem physischen Körper des spirituellen Meisters dienen, und wenn der spirituelle Meister nicht physisch gegenwärtig ist, sollte der Schüler den Unterweisungen des spirituellen Meisters dienen".

Selbstverständnis und Lehre

"Gute Menschen und schlechte Menschen"

Die Krishna-Bewegung ist sehr elitär geprägt. Das bedeutet, dass auf der einen Seite absoluter Gehorsam der Mitglieder gegenüber der Hierarchie der Gruppe erwartet wird. Auf der anderen Seite können sie in dem Bewusstsein leben, "besser" als andere Menschen zu sein und zu den Geretteten und Auserwählten zu gehören. So sagte Prabhupada in einem Interview der ISKCON-Zeitschrift "Wie es ist":
"Natürlich gibt es gute Menschen und schlechte Menschen, und gute Menschen schließen sich dieser Bewegung an, denn es ist eine gute Bewegung .... Gute Menschen werden sich der Bewegung für Krishna-Bewusstsein anschließen und schlechte Menschen nicht. Wir geben eindeutige Richtlinien, wie man ein guter Mensch wird"

(Jg. 5, Ausg. September/Oktober 1984, S. 7).

Die Bhagavad-gita

In ihrer Lehre und Praxis und ihrem Ziel bezieht sich die Krishna-Bewegung auf alte spirituelle und philosophische Weisheiten Indiens, die vedischen Wissenschaften, die der "Bhagavad-gita" niedergelegt sind. Dieses Buch gilt es zu verbreiten. Die Bhagavad-gita (Sanskrit: "Des Erhabenen Gesang") besteht aus 700 Versen und ist in 18 Kapiteln bzw. Bücher eingeteilt. Inhaltlich handelt es sich im Wesentlichen um ein Zwiegespräch zwischen Krishna, der höchsten Persönlichkeit Gottes und seinem Vertrauten und Geweihten Arjuna, der sich "jenseits aller Unwissenheit" befand. Arjuna stellt Sri Krishna Fragen über die Probleme des Lebens. Die Bhagavad-gita behandelt und regelt schwerpunktmäßig das Verhätnis zwischen Gott und Lebewesen.

Ziel der Krishna-Bewegung ist es, die Bhagavad-gita so zu verstehen "wie sie ist". Das bedeutet, dass die Bewegung glaubt, dass nur sie die Möglichkeit bietet, die höchste Vollkommenheit des Lebens zu erreichen. Wer Krishna nicht mit völliger Hingabe dient, werde ewig in der materiellen Welt voller Leiden verharren, d.h. im ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt (Reinkarnation). Nur Krishna-Diener, die kein schlechtes Karma auf sich laden, können die höchste Vollkommenheit erreichen, zum höchsten Planeten, Krsnaloka (= einer höchsten Bewußtseinsebene) gelangen und damit dem ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt entkommen.

Das Leben in der ISKCON-Bewegung

Das Leben innerhalb der Krishna-Bewegung ist streng reglementiert. Der Tagesablauf aller Mitglieder der ISKCON, die als Mönche oder Nonnen (devotees) in den Zentren der Bewegung leben, ist genau vorgeschrieben. Frühes Aufstehen, gemeinsames Chanten, Lesungen aus den heiligen Schriften und Gebete an Prabhupada sind in das feste Tagesprogramm eingebunden. Auch Tempel- und Missionsdienst sowie vegetarische Ernährung gehören dazu und dienen der Seelenreinigung, so dass Anhänger der Bewegung selbst bei schwerer Verfehlung nach dem Tod nicht etwa als Tier wiedergeboren werden.

Mit Eintritt in die Bewegung erhält das neue Mitglied einen neuen Namen als Ausdruck der Abkehr vom bisherigen Leben. Es ist erwünscht, den bürgerlichen Beruf aufzugeben, um alles Tun und Handeln, das ganze Leben Krishna zu weihen und ihm in völliger Hingabe zu dienen.
Vier Prinzipien regeln das Krishna-Leben: Das Verbot von Fleisch, Fisch und Eiern, das Verbot von Rauschmitteln (Alkohol, Drogen, Kaffee, Tee, Tabak), das Verbot von Sexualität vor der Ehe sowie das Verbot von Sport und (Glücks-) Spiel jeder Art.

Einschätzung

Die starke Bindung an die spirituellen Meister und die Abkehr von der im westlichen Kulturraum gewohnten Lebensweise stellen die größten Besonderheiten und gleichzeitig die größten Risiken einer Zugehörigkeit zur ISKCON dar.

Die intensive Meditationspraxis, die ausschließlich vegetarische Ernährung, die asketische Lebensführung und die geistige Ausrichtung auf die von der Bewegung geprägte Weltanschauung stellen hohe persönliche Anforderungen dar. Sie können die Persönlichkeit eines Mitglieds auch nachhaltig negativ beeinflussen.

Die geringe Bedeutung einer religiös motivierten Weltverantwortung und die hohe Konzentration auf die Pflege des Krishna-Bewußtseins und seinen Absolutheitsanspruch können zu einer Isolierung vom Leben außerhalb der Gruppe führen und zum Abbruch bisheriger sozialer Beziehungen.

Lehre und Lebenspraxis der Krishna-Bewegung sind mit dem christlichem Glauben und seiner Lebenspraxis nicht in Einklang zu bringen.

Weitere Informationen

  • ISKCON, Lexikon der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)
  • Reinhard Hummel: ISKCON - International Society for Krishna-Consciousness
    in: Harald Baer, Hans Gasper, Johannes Sinabell, Joachim Müller (Hrsg): Lexikon nichtchristlicher Religionsgemeinschaften, Freiburg 2010, S. 125-126

Matthias Pöhlmann/ Christine Jahn (Hg.), Handbuch Weltanschauungen, religiöse Gemeinschaften, Freikirchen, Gütersloher Verlagshaus 2015, S. 913-926