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heraus gerufen - Schritte in die Zukunft wagen

Auszüge aus dem Abschlussdokument der Synode im Bistum Trier in Einfacher Sprache

  • Vorwort Switch

    Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus dem Abschluss-Dokument der Synode im Bistum Trier.

    Aus dem Original-Dokument wurden die Kapitel 1, 2 und 3 in Einfache Sprache auf der Sprachstufe B1 nach den Qualitäts-Kriterien von capito übertragen. Manche Wörter in diesem Text sind unterstrichen. Diese Wörter werden weiter unten unter dem Titel „Wort-Erklärungen“ erklärt. 

    Warum gab es eine Synode im Bistum Trier?

    Wir leben in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft und das Zusammenleben der Menschen sehr stark verändern. Das merken wir auch in der Kirche. Die Frage ist: Wie kann die Kirche im Bistum Trier heute den Glauben leben und ihre Aufgabe in der Gesellschaft gut erfüllen? Die Antwort darauf kann nicht ein Mensch alleine geben. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wollte, dass viele Menschen diese Frage gemeinsam beraten. Deshalb hat er zur Synode eingeladen.

    Die Synode war eine große Versammlung von 280 Mitgliedern aus dem gesamten Bistum Trier. Ganz verschiedene Menschen sollten in der Synode zusammenkommen: Junge und Ältere, Männer und Frauen, Laien und Priester, Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen, Menschen in unterschiedlichen Lebens-Situationen und Menschen, die zum Beispiel wissen, wie man mit einer Behinderung lebt. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen, und alle haben ihre Erfahrungen in die Synode mitgebracht. Das ist hilfreich, wenn man über etwas berät, was alle betrifft und für alle gut sein soll.

    Die Synode begann im Jahr 2013 und war 2016 zu Ende. Die Mitglieder haben sich in dieser Zeit immer wieder zu Beratungen getroffen: 7-mal alle zusammen und sehr oft in kleineren Gruppen. Am Ende der Beratung haben die Mitglieder der Synode ein Abschluss-Dokument geschrieben. Es heißt: „heraus gerufen: Schritte in die Zukunft wagen“. Es fasst das Ergebnis der Beratung zusammen. Der Bischof hat das Dokument angenommen und in Kraft gesetzt. Das heißt: Was die Synode gesagt hat, soll in die Tat umgesetzt werden. Die Kirche im Bistum Trier soll sich so verändern, wie es die Mitglieder der Synode vorgeschlagen haben. Das soll geschehen, damit sie ihre Aufgabe für die Menschen und mit den Menschen heute erfüllen kann.

    Warum gibt es diesen Text in Einfacher Sprache
    und für wen ist er gedacht?

    Wenn die Kirche sich verändern will, dann betrifft das sehr viele Menschen. Viele haben gesagt: Das Abschluss-Dokument ist schwer zu verstehen. Es sollen aber möglichst viele verstehen können, was die Synode gesagt hat, welche Veränderungen sie vorgeschlagen hat und warum.

    Deshalb sind hier die Kapitel 1, 2 und 3 aus dem Abschluss-Dokument in Einfache Sprache übertragen. In diesen Kapiteln beschreiben die Mitglieder der Synode, wozu die Kirche da ist und worauf es heute besonders ankommt. Das ist das Wichtigste.

    Das Abschluss-Dokument hat noch drei weitere Kapitel. Was darin steht, ist weiter unten kurz zusammengefasst.

    Dieser Text ist für alle, denen es hilft, die Synode besser zu verstehen. Ich lade Sie herzlich zum Lesen ein!

    Manches versteht man vielleicht trotzdem nicht sofort: Nicht, weil die Sprache zu schwer ist, sondern weil es neu ist. Dann möchte ich Ihnen Mut machen: Sprechen Sie mit anderen darüber! Tauschen Sie sich aus! Sagen Sie, was Ihnen wichtig ist, was Sie gut finden und was schlecht. Wichtig ist, dass alle sich einbringen, damit wir heute Kirche für die Menschen sein können.

    Dr. Ulrich Graf von Plettenberg

    Generalvikar im Bistum Trier

  • Inhaltsübersicht Switch

    heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

    Auszüge aus dem Abschluss-Dokument der Synode im Bistum Trier

    1 Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit (Matthäus-Evangelium, 6,33)

    2 Perspektivwechsel: Die Kirche im Bistum Trier ändert ihre Betrachtungsweise

    2.1 Perspektivwechsel: Vom einzelnen Menschen her denken

    2.2 Perspektivwechsel: Charismen vor Aufgaben beachten

    2.3 Perspektivwechsel: Weite pastorale Räume einrichten und wie in einem Netzwerk zusammenarbeiten

    2.4 Perspektivwechsel: Das synodale Prinzip im gesamten Bistum leben

    3 Haltungen und Kultur

    Ausblick: Was steht außerdem im Abschluss-Dokument der Synode?

    Wort-Erklärungen

„Kirche im Bistum Trier“

Die römisch-katholische Kirche ist eine große Gemeinschaft von gläubigen Menschen. Sie ist in verschiedene Bistümer unterteilt. In Deutschland gibt es 27 Bistümer. Jedes Bistum wird von einem Bischof geleitet.

Zum Bistum Trier gehören mehr als die Hälfte des Bundeslandes Rheinland-Pfalz und der Großteil des Bundeslandes Saarland. Alle katholischen Christinnen und Christen in diesem Gebiet bilden zusammen die Kirche im Bistum Trier. Das Wort Diözese hat die gleiche Bedeutung.

1 Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit (Matthäus-Evangelium, 6,33)

„Atme in uns, Heiliger Geist,
brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist“

Die Zeilen dieses Liedes haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Synode bei allen Versammlungen gesungen. Damit haben sie um den Geist Gottes gebetet. Denn sie glauben: Nur da, wo der Geist Gottes in den Menschen wirkt, kann die Kirche lebendig werden. Deshalb will sich die Kirche von Trier öffnen. Das heißt: Die Christinnen und Christen bleiben nicht unter sich, sondern sie gehen auf andere Menschen zu. Deshalb hat die Synode nicht nur überlegt: Wie wollen wir in der Kirche miteinander leben? Sie hat auch gefragt: Wozu sind wir Kirche im Bistum Trier? Das heißt: Für wen und für was ist die Kirche da? Wohin will Gott seine Kirche im Bistum Trier führen?

Die Mitglieder der Synode sind überzeugt: Gott hat einen Plan für die Welt, für alle Menschen und auch für die Kirche im Bistum Trier. Nach diesem Plan hat Gott die Welt und alle Lebewesen erschaffen. Er hat die Menschen erschaffen und jedem Menschen eine Würde gegeben, die er nicht verlieren kann. Die Bibel erzählt, dass Gott für die Menschen wie ein guter Vater und eine gute Mutter ist. Gott will, dass es allen Menschen gut geht und dass sie ein erfülltes Leben haben. Darum ist es ihm nicht gleichgültig, wenn Menschen in Not sind. Als die Israeliten in Ägypten gefangen waren und als Sklaven arbeiten mussten, hat Gott sie befreit (Exodus, Kapitel 3).

Gott hat seinen Sohn Jesus Christus geschickt. Er wollte, dass Jesus das Reich Gottes verkündet. Jesus sollte mit seiner Botschaft allen Menschen helfen, die arm und unterdrückt sind. Er sollte auch allen Menschen helfen, die Gewalt erleiden müssen oder in Not sind. Wo Unterdrückte befreit werden und die Armen wieder aufleben können, da ist das Reich Gottes lebendig (Lukas-Evangelium, Kapitel 4). Dafür ist Jesus am Kreuz gestorben. Aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.

Gott sagt JA zum Leben und NEIN zur Zerstörung von Leben. Die Kirche bekennt sich zu diesem Willen Gottes und will ihn umsetzen. Gott hat Jesus den Auftrag gegeben, den Menschen zu helfen. Die Kirche hat diesen Auftrag an Jesus übernommen.

Auch die Kirche im Bistum Trier stellt sich dieser Aufgabe. Sie vertraut auf die Botschaft von Jesus, dass das Reich Gottes dadurch lebendig wird. Sie hofft, dass die Welt sich zum Guten verändert.

Die Kirche im Bistum Trier will sich öffnen und neue Wege gehen.

Der Geist Gottes und sein Auftrag sollen die Kirche im Bistum Trier leiten, damit sie lebendig und mutig ihre Aufgaben erfüllen kann.

Die Kirche im Bistum Trier folgt der Botschaft und dem Auftrag von Gott und von seinem Sohn Jesus. Daher steht für sie der Mensch mit seinem Leben und seinen Fragen im Mittelpunkt; der Mensch mit seinen Gefühlen wie Freude, Hoffnung, Trauer und Angst. Die Kirche kümmert sich um Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben oder von der Gemeinschaft ausgeschlossen sind. Sie kümmert sich auch um Menschen, die nicht würdevoll leben können.

Die Kirche im Bistum Trier will mit den Menschen über die Botschaft und die Hoffnung sprechen, die von Gott ausgeht. Sie möchte Menschen und Orte kennen lernen, die ihr bisher fremd sind. Sie möchte auch Menschen begegnen, die nicht zur Kirche gehören, und diese Menschen verstehen. Dadurch wird sich die Kirche im Bistum Trier auch selbst verändern. Sie wird besser verstehen, was Gott mit seiner Frohen Botschaft sagen will und wie sie selber handeln kann.

Alle getauften Menschen sind wichtig für die kirchliche Gemeinschaft, und alle können etwas dazu beitragen. Deshalb will die Kirche im Bistum Trier den Menschen mehr Freiheiten und mehr Möglichkeit bieten, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung zu übernehmen bedeutet, sich um einen Menschen oder eine Sache zu kümmern und dafür zu sorgen, dass es dem Menschen gut geht oder dass eine Sache gelingt. Dann kann sich jeder Mensch mit seinen Charismen für das Reich Gottes einsetzen. Die Kirche achtet es aber auch, wenn andere Gutes tun, und sucht das Gespräch mit ihnen.

Die Kirche will erkennen und unterscheiden: Was ist gut für die Welt und das Leben der Menschen – und was kann der Welt und den Menschen schaden? Sie will die Zeichen der Zeit erkennen. Das heißt: Sie will Veränderungen in der Gesellschaft erkennen und darauf reagieren. Die Botschaft von Jesus vom Reich Gottes hilft ihr dabei.

Die Kirche hat erkannt, dass sie in der Vergangenheit oft Fehler gemacht hat. Sie hat sich oft nur mit sich selbst beschäftigt und dabei vergessen, was am wichtigsten ist: In der Kirche geht es um Gott und sein Reich – und damit um die Menschen! Es geht um jeden einzelnen Menschen und ebenso darum, dass die Menschen auf der ganzen Erde gut miteinander leben.

Die Synode möchte deshalb allen Christinnen und Christen im Bistum Trier Mut zu Veränderungen machen. Die Synode macht auch der Kirche selbst Mut zu einer Erneuerung. Sie soll stärker als bisher diakonisch und missionarisch werden (siehe Erklär-Fenster). Mehr als bisher soll sie auf die Menschen zugehen. Sie soll sich besonders denen zuwenden, die arm, benachteiligt oder in Not sind. Sie soll sich dafür einsetzen, dass alle Menschen gut zusammen leben können. Mit diesen Veränderungen will die Kirche mutig und aktiv die Welt und das Leben der Menschen mitgestalten.

„diakonisch und missionarisch“

„Diakonisch“ heißt: den Menschen dienend.

Die Synode meint damit:

  • zu den Menschen hingehen, besonders zu denen, die arm oder in Not sind,
  • die Lebens-Situation dieser Menschen kennen lernen,
  • mit ihnen herausfinden, was hilft,
  • und mit ihnen zusammen das tun.

„Missionarisch“ heißt: die Frohe Botschaft Gottes weitersagen.

Die Synode meint damit:

  • zu den Menschen hingehen, besonders zu denen, die uns fremd sind,
  • die Lebens-Situation dieser Menschen kennen lernen,
  • mit ihnen herausfinden, was das mit der Frohen Botschaft zu tun hat,
  • und zum Glauben einladen.

Wichtig ist immer: Jeder Mensch entscheidet selbst, was für ihn gut ist.


2 Perspektivwechsel

Die Kirche im Bistum Trier ändert ihre Betrachtungsweise.

Das gesellschaftliche Leben verändert sich sehr stark.

Auch das Leben als Christin und Christ verändert sich. Die Mitglieder der Synode sind deshalb überzeugt, dass die Kirche im Bistum Trier in Zukunft viele Dinge anders betrachten muss. Die Kirche braucht Mut, um in Zukunft neue Richtungen einzuschlagen und neue Wege zu gehen. Das bedeutet nicht, dass in der Vergangenheit alles schlecht war.

Es bedeutet vielmehr, dass manche Dinge in der Kirche und in der Gesellschaft heute anders sind als früher. Darum sollte man sie neu betrachten.

Früher war es für viele Menschen selbstverständlich, dass sie zu Jesus und zu seiner Kirche gehörten. Die Kirche konnte die Menschen für den Glauben begeistern. Heute gelingt das nicht mehr auf die gleiche Art. Wenn die Kirche die Menschen wieder begeistern will, muss sie neue Wege gehen. Sie muss sich von alten Regeln und Standpunkten verabschieden. Wenn das verantwortungsvoll geschieht, bleiben die alten Regeln und Standpunkte in guter Erinnerung. Ein guter Abschied macht einen neuen Anfang möglich.

Deshalb hat die Synode 4 Punkte beschlossen, wo eine neue Betrachtungsweise für die zukünftige Entwicklung der Kirche von Trier wichtig ist:

Die Synode nennt die neuen Betrachtungsweisen „Perspektivwechsel“.


2.1 Perspektivwechsel
Vom einzelnen Menschen her denken

Lass mich Dich lernen, Dein Denken und Sprechen, Dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich Dir zu überliefern habe.

Bischof Klaus Hemmerle

  • Die Kirche will mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen eingehen, das heißt:

    • Die Kirche wendet sich dem einzelnen Menschen zu.
    • Die Kirche ist dort, wo der Mensch lebt.
    • Die Kirche interessiert sich für das Leben des Menschen.
    • Die Kirche versteht, was einem Menschen wichtig ist.
    • Die Kirche steht an der Seite des Menschen.

    Jesus hat genau das vorgelebt, und danach will sich die Kirche im Bistum Trier richten. So lernt sie, was die Menschen bewegt. Die Kirche kann darauf vertrauen, dass Gott im Leben jedes einzelnen Menschen da ist. Im Gespräch erkennt sie, wie die einzelnen Menschen die christliche Botschaft in ihrer persönlichen Lebens-Situation wiederfinden können.

    Früher waren die Menschen stärker in Gemeinschaften eingebunden. Oft haben diese Gemeinschaften bestimmt, wie, wo und mit wem jemand lebt. Heute sind die Wahlmöglichkeiten größer und die meisten Menschen treffen ihre Entscheidungen selbstständig und allein. Diese Entwicklung nennt man Individualisierung. Die Synode hat sich mit den Vorteilen und Nachteilen der Individualisierung beschäftigt.

    Vorteile sind zum Beispiel:

    • Die Freiheit des einzelnen Menschen wird größer.
    • Die Menschen haben viele Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten.
    • Die Menschen können selbst wählen, wie sie leben wollen.

    Nachteile sind zum Beispiel:

    • Manche Menschen verlieren ihre Würde.
    • Manche Menschen sind einsam.
    • Die Menschen müssen für Chancen im Leben mehr kämpfen.
    • Die Menschen leben seltener in einer schützenden Gemeinschaft.
    • Die Menschen leben seltener in einer christlichen Gemeinschaft.

    Der veränderte Blickwinkel bedeutet, dass die Kirche besonders auf arme und benachteiligte Menschen zugehen und eingehen will.

    Dazu gehören auch Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben oder von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Die Kirche will herausfinden, wie sie diesen Menschen helfen kann, damit sie ein glückliches Leben führen können.

    Die Mitglieder der Synode sagen dabei deutlich: Das heißt nicht, dass das Evangelium nicht mehr wichtig ist oder dass jeder herauslesen kann, was ihm gerade angenehm ist. Es kann nicht jeder machen, was er will. Die Synode sagt aber genauso deutlich: Die Kirche im Bistum Trier soll auf den einzelnen Menschen zugehen und eingehen. Sie soll ihm die Freiheit lassen, selbst für sich und über sein Leben zu entscheiden.

    Denn es geht um Menschen, die durch das Geheimnis der Erlösung mit Gott und Jesus Christus verbunden sind.

  • Veränderungen bedeuten oft eine Herausforderung.

    Der Mensch ist eine Einzelperson und gleichzeitig ein Teil der Gesellschaft und ein Teil verschiedener Gemeinschaften.

    Der einzelne Mensch ist auf die Gemeinschaft angewiesen und die Gemeinschaft ist auf den einzelnen Menschen angewiesen.

    Die Frage ist: Wie kann sich christliche Gemeinschaft bilden, wenn wir von den einzelnen Menschen ausgehen? Denn die Menschen leben in verschiedenen Situationen und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Wie können wir da als Kirche zusammenkommen und gemeinsam den Glauben leben? Die Kirche muss neue Formen von Gemeinschaft suchen, in denen die unterschiedlichen Lebenseinstellungen der Menschen Platz haben.

    Es gibt noch eine weitere Frage, für die man eine Lösung finden muss:

    Einerseits leben die Menschen heute auf sehr unterschiedliche Art und Weise; andererseits kann die christliche Lehre nicht beliebig verändert werden. Wie lässt sich das vereinbaren? Manche Menschen in der Kirche haben Angst, dass die christliche Botschaft gekürzt oder eingeschränkt wird, wenn man „vom einzelnen Menschen her denkt“. Sie befürchten, dass die Menschen nur noch das gelten lassen, was gerade zu ihrem Leben passt.

    Die Synode sagt aber nicht: Die Gemeinschaft ist nicht wichtig, oder die kirchliche Lehre ist nicht wichtig. Sondern sie sagt: Die Sichtweise des Anderen ist sehr wichtig. Daraus kann die Kirche lernen. Das hilft ihr, auf diesen Menschen einzugehen. Und das hilft ihr auch, die christliche Lehre zu verstehen und Gemeinschaft zu bilden. „Vom einzelnen Menschen her denken“ bedeutet deshalb auch: „vom Anderen her denken“.

    Man soll nicht nur auf den einzelnen Menschen schauen, so als ob die Gemeinschaft nicht wichtig wäre; und man soll nicht nur auf die Gemeinschaft schauen. Man muss beides miteinander verbinden. Davon erzählt auch die Bibel: Als Jesus auferstanden ist, glaubte der Apostel Thomas nicht sofort daran, im Gegensatz zu den anderen Aposteln. Thomas musste und durfte seinen eigenen Weg zum Glauben finden.Johannes-Evangelium, Kapitel 20, 19–31

  • „Vom einzelnen Menschen her denken“ bedeutet auch, dass die Kirche von einigen Vorstellungen Abschied nehmen muss. Das heißt:

    • Die Kirche kann nicht mehr allgemein sagen: Genau so und nicht anders muss man als katholischer Christ oder als katholische Christin leben.
    • Die Kirche kann nicht von sich aus beurteilen, ob ein Leben gelungen oder gescheitert ist.
    • Nicht alle Getauften akzeptieren die kirchlichen Traditionen und leben danach.
    • Das Kennenlernen des Glaubens hängt nicht nur mit besonderen Anlässen wie Taufe, Erstkommunion, Firmung oder Eheschließung zusammen, sondern dafür gibt es im Alltag der Menschen viel mehr Situationen und Gelegenheiten.
    • Die Seelsorge und kirchliche Arbeit ist in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt, zum Beispiel in christliches Gemeindeleben, Seelsorge in Krankenhäusern und Schulen und Dienste der Caritas. Diese Bereiche arbeiten bisher getrennt voneinander und haben oft nichts miteinander zu tun. Das soll sich ändern, denn es entspricht nicht der Lebens-Situation der Menschen
  • Die Kirche im Bistum Trier wendet sich den einzelnen Menschen zu und respektiert ihre Lebenseinstellungen.

    Die Kirche will ihre eigenen Aufgaben kritisch hinterfragen und überprüfen. Die Synode ist überzeugt: Das Handeln der Kirche darf nicht so stattfinden, dass Werte verloren gehen.

    Die Kirche möchte die Botschaft des Evangeliums nicht einfach an den Zeitgeist anpassen, sondern vielmehr in einer geeigneten Form anbieten. Dadurch sollen die Menschen erkennen, dass ihnen die Frohe Botschaft Orientierung für ihr Leben geben kann und dass es nie zu spät ist, etwas im Leben zu verändern – so wie im Lukas-Evangelium, Kapitel 19: Der Zöllner Zachäus treibt von den Leuten hohe Zollgebühren ein. Deshalb ist er reich. Aber die Leute wollen mit ihm nichts zu tun haben. Jesus macht es anders, er sagt zu ihm: „Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein“, und er besucht ihn. Zachäus freut sich sehr, ändert sein Leben und teilt sein Vermögen mit den Armen

2.2    Perspektivwechsel  
Charismen vor Aufgaben betrachten

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie, und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich.

Erster Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 12, 7.13.22

  • 2.2.1 Was bedeutet das?

    Die Kirche im Bistum Trier lädt alle Gläubigen ein, ihre Charismen einzubringen. Denn das ist eine Bereicherung für die Kirche. Für die Aufgaben der Kirche werden die Fähigkeiten, das Wissen und die Charismen der einzelnen Menschen gebraucht.

    Die Synode sagt: Charismen vor Aufgaben beachten. Das heißt: Zuerst soll man schauen, welche Charismen die Menschen einbringen. Erst der zweite Blick richtet sich auf die Aufgaben der Kirche, die natürlich auch wichtig sind.

    Wenn die gewohnten Aufgaben zu sehr im Vordergrund stehen, führt das immer wieder dazu, dass Charismen nicht zur Geltung kommen. Dann merkt man gar nicht, was der Geist Gottes in den Charismen der Menschen der Kirche schenken will. Man ist dann so mit den Arbeiten des Alltags beschäftigt, dass die besonderen Charismen oft nicht erkannt und eingesetzt werden können.

    Die Synode ist aber überzeugt:

    • Die Gläubigen wollen ihre eigenen Charismen in der Kirche in den Angelegenheiten einsetzen, die sie gerne machen oder gut können.
    • Die Gläubigen wollen auch neue Aufgaben oder Tätigkeiten übernehmen, wenn sie ihre Charismen erkennen.

    Wenn diese Charismen in der Kirche wichtiger werden, kann eine neue, besondere Atmosphäre entstehen. Dann spüren manche Gläubige möglicherweise eine Berufung zu einem Dienst in der Kirche. Das kann als Priester, als Diakon, als Gemeindereferentin oder Gemeindereferent, als Pastoralreferentin oder Pastoralreferent oder in einem Orden sein.

  • 2.2.2 Warum ist das nicht einfach?

    Die Synode ermutigt: Die Aufgaben in der Kirche sollen nicht nur deshalb erfüllt werden, weil sie immer schon gemacht wurden. Die Aufgaben sollen immer wieder überprüft werden. So entsteht die Gelegenheit, manche Dinge auch anders zu tun. Die Kirche möchte erkennen, wo der Geist Gottes durch Charismen spürbar ist. Sie möchte auch erkennen, wo ein anderer Geist spürbar ist, der Leben zerstört.

    Paulus sagt: Die Charismen dienen dem Aufbau der christlichen Gemeinde. Es gibt viele einzelne Menschen, die ihre Charismen einbringen können und wollen. Manchmal ist aber nicht ganz klar, was ein Charisma ist. Dann müssen die Leitung der Gemeinde und die Gemeindemitglieder gemeinsam entscheiden, was für das Leben der Menschen gut ist.

    Die hauptberuflich tätigen Menschen in der Kirche haben verschiedene Aufgaben und Pflichten. Diese stimmen nicht immer mit ihren vorhandenen Charismen überein. Das kann zu Spannungen führen.

  • 2.2.3 Wovon heißt es Abschied nehmen?

    Charismen vor Aufgaben beachten bedeutet auch, dass die Kirche von einigen Vorstellungen Abschied nehmen muss. Das heißt:

    • Nicht alle kirchlichen Aufgaben können wie bisher weitergeführt werden. Daher muss man Antworten finden auf die Fragen: Welche Aufgaben sind am wichtigsten? Und wie müssen diese Aufgaben erfüllt werden?
    • Kirchliches Handeln geschieht auch dort, wo keine kirchlichen Amtsträger (zum Beispiel Priester, Diakone) anwesend sind.
    • Es wird auch gute Gottesdienste geben, wenn sie ohne Priester oder Diakon gefeiert werden.
  • 2.2.4 Was folgt daraus?

    Charismen vor Aufgaben beachten – damit meint die Synode, dass jeder einzelne Getaufte wichtig für die Kirche ist.

    Jede Christin und jeder Christ hat Charismen.

    Die Kirche im Bistum Trier lädt alle Menschen ein, ihre Charismen in die kirchliche Gemeinschaft einzubringen, so wie sie es selber tun wollen. Das bedeutet nicht, dass der Bischof und die Priester keine Leitungsaufgaben mehr haben. Es bedeutet vielmehr, dass alle gemeinsam ein lebendiges kirchliches Leben gestalten.

    Die Synode möchte mit diesem Perspektivwechsel ermutigen, dass die Gläubigen neu entdecken: Ich bin getauft und mit Charismen beschenkt, und ich kann mich in das Leben der Kirche einbringen.

2.3 Perspektivwechsel
Weite pastorale Räume einrichten und wie in einem Netzwerk zusammenarbeiten

Wie schön ist es, unsere Pfarreien, Gemeinschaften, Kapellen, die Orte, wo die Christen sind, als wahre Zentren der Begegnung zwischen Gott und uns Menschen zu verstehen.

Papst Franziskus

„Netzwerk“

„Netzwerk“ ist ein Ausdruck für eine bestimmte Art und Weise, wie Menschen zusammen arbeiten können. Der Ausdruck bezieht sich auf Netze: Dabei sind viele Knoten mit vielen Fäden miteinander verbunden.

Merkmale für ein Netzwerk sind:

Mehrere Personen haben ein gemeinsames Ziel oder ein gemeinsames Thema. Sie merken, dass sie dieses Ziel viel besser erreichen können, wenn sie zusammenarbeiten. Denn jede Person kann etwas anderes beitragen. Daher bilden alle zusammen freiwillig ein Netzwerk. So sind alle untereinander verbunden wie mit Fäden in einem Netz. Im Netzwerk gibt es nicht einen Einzelnen, der wie ein Chef bestimmen kann. Alle sorgen gemeinsam dafür, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wird. Wenn das Ziel erreicht ist oder das gemeinsame Thema verloren geht, löst sich das Netzwerk von selbst wieder auf.

Nicht nur einzelne Personen bilden Netzwerke. Es können zum Beispiel auch Firmen, Gruppen, Vereine, staatliche oder kirchliche Einrichtungen oder Initiativen in Netzwerken untereinander zusammenarbeiten.

Die Synode empfiehlt, in Netzwerken zusammenzuarbeiten.

Damit sind drei Dinge gemeint:

  • Einzelne Christinnen und Christen verbinden sich untereinander, zum Beispiel um gemeinsam den Glauben zu leben oder anderen zu helfen.
  • In den neuen, größeren Pfarreien arbeiten die kirchlichen Vereinigungen untereinander zusammen, zum Beispiel Gruppen, Vereine, Verbände, Einrichtungen und die Dienste der Caritas.
  • Kirchliche Gruppen, Vereine, Verbände, Dienste und Einrichtungen arbeiten mit der Kommune und anderen Gruppen, Vereinen, Verbänden, Diensten oder Einrichtungen, die nicht zur Kirche gehören, zusammen.
  • 2.3.1 Was bedeutet das?

    Die Perspektivwechsel „Vom einzelnen Menschen her denken“ und „Charismen vor Aufgaben beachten“ bringen Veränderungen für die Pfarreien mit sich.

    Die deutschen Bischöfe sagen:

    „Im Mittelpunkt stehen das vielfältige Leben der Gläubigen und die verschiedenen Formen der Gemeinschaft in einem bestimmten Gebiet. In diesem Sinn werden sich Pfarreien zu einer Gemeinschaft von Gemeinschaften entwickeln. Das bringt verschiedene Orte für kirchliches Leben hervor.“

    Dafür müssen die Gebiete der Pfarreien neu aufgeteilt werden, und zwar so, dass die einzelnen Pfarreien für ein größeres Gebiet zuständig sind.

    In diesen Gebieten können dann Menschen mit verschiedenen Aufgaben in einem Netzwerk zusammenarbeiten:

    • die Seelsorgerinnen und Seelsorger,
    • die Ehrenamtlichen,
    • die Menschen, die für die kirchlichen Einrichtungen verantwortlich sind.

     

    Dieser Perspektivwechsel ist mit starken Veränderungen verbunden. Das betrifft sowohl den Inhalt wie auch den Aufbau der Kirche. Es ist eine Tatsache, dass die Kirche in Zukunft mit weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit weniger Geld auskommen muss. In dieser Veränderung liegt zugleich eine Ermutigung, neue Möglichkeiten zu entdecken.

    Gemeinde und Kirche sind nicht auf das Leben in der Pfarrkirche und im Pfarrheim begrenzt. Gemeinde und Kirche können überall dort entstehen, wo die Menschen leben.

    Das ist auch eine Frage von Nähe und Weite. Weite bedeutet in diesem Fall: Die Menschen entscheiden sich selbst, wo und wie sie miteinander Kirche leben wollen. Nähe bedeutet in diesem Fall: Dort, wo sie das tun, begegnen sie anderen Menschen und leben Gemeinschaft.

    So besteht die Möglichkeit, die Entwicklung der Kirche vor Ort neu zu gestalten.

     

    „Jeder Christ ist aufgrund von Taufe und Firmung berufen, das Heilige in seinem eigenen Leben immer weiter zu entfalten und eben dadurch Welt und Kirche im Geiste Jesu Christi mitzugestalten. Diese Bedeutung und Verantwortung jedes einzelnen Christen gilt auch unabhängig von der Zahl der Priester und des hauptberuflichen Personals in der Kirche.“

    In: „Gemeinsam Kirche sein“. Wort der deutschen Bischöfe zur Erneuerung der Pastoral, Bonn 2015, Seite 15.

  • 2.3.2 Warum ist das nicht einfach?

    Nicht alle Aufgaben können überall und ganz erfüllt werden. In den vergrößerten Gebieten der Pfarreien werden sich hingegen verschiedene und neue Formen von Gemeinschaften bilden. Deshalb muss die Kirche gleichzeitig Nähe bieten und Weite zulassen. Dann können unterschiedliche Zentren entstehen, die sich auf bestimmte Themen spezialisieren oder einen besonderen Bezug zu einem bestimmten Ortsgebiet haben. Durch eine Vernetzung ergeben sich auch neue Möglichkeiten für Begegnungen zwischen Menschen. Damit können sie ihren Glauben an Jesus Christus entdecken und Beziehungen leben.

    Es geht auch um die Frage: Wie finden Menschen heute andere Menschen und eine Gemeinschaft, wo sie sich im Glauben zu Hause fühlen können? Denn viele Menschen wollen christlich leben. Sie müssen aber selbst herausfinden, wie und mit wem das gut möglich ist.

  • 2.3.3 Wovon heißt es Abschied nehmen?

    Wenn die Gebiete der Pfarreien größer werden und die Kirche in Netzwerken arbeiten will, bedeutet das auch, dass die Kirche von einigen Vorstellungen Abschied nehmen muss. Das heißt:

    • Die bisherige Form der Pfarreien wird sich ändern.
    • Die gewohnten Abläufe in den Pfarreien werden sich ändern.
    • Die Pfarreien werden für größere Gebiete zuständig sein.
    • Es wird nicht mehr gelten, dass alle Pfarreien gleich sein sollen.
  • 2.3.4 Was folgt daraus?

    Dieser Perspektivwechsel bringt große Veränderungen mit sich. Das Bistum Trier verändert viele Gewohnheiten und Abläufe im kirchlichen Leben. Dadurch ändert sich das vertraute Umfeld des kirchlichen Lebens. Für manche Menschen kann es schwierig sein, solche Veränderungen hinzunehmen.

    Die Gesellschaft verändert sich, und das hat Auswirkungen auf die Kirche. Die Kirche möchte das nicht nur geschehen lassen, sondern möchte aktiv ihre eigene Veränderung gestalten.

    Das Bistum Trier sieht sich und die Christinnen und Christen damit vor einer großen Aufgabe. Gemeinsam müssen sie die Abläufe in der Seelsorge und in der kirchlichen Verwaltung neu ordnen.

    Es ist wichtig, dass Menschen in ihrem nahen Umfeld Kirche erleben. Dazu braucht die Kirche Mut, an neue Orte zu gehen. Sie muss Freiraum geben, damit sich neue Orte von Kirche entwickeln können. Es ist wichtig, neue Dinge auszuprobieren. Was nicht gelingt, kann verbessert werden.

2.4 Perspektivwechsel
Das synodale Prinzip im gesamten Bistum leben

Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, in dem Bewusstsein, dass das Zuhören „mehr ist als Hören“. Es ist ein wechselseitiges Anhören, bei dem jeder etwas zu lernen hat: jeder im Hinhören auf die anderen und alle im Hinhören auf den Heiligen Geist, den „Geist der Wahrheit“ (Johannes-Evangelium, Kapitel 14,17), um zu erkennen, was er „den Kirchen sagt“ (Offenbarung des Johannes, Kapitel 2,7).

Papst Franziskus

  • 2.4.1 Was bedeutet das?

    Die Synode hat die Kirche im Bistum Trier bereits verändert. In den Versammlungen der Synode haben Laien, Priester, Diakone und Ordensleute, Hauptamtliche und Ehrenamtliche in einer neuen Weise einander zugehört und gemeinsam beraten. Das war eine positive Erfahrung.

    Diese positive Erfahrung sollen in der Kirche im Bistum Trier in Zukunft alle machen können:

    • überall vor Ort und
    • überall, wo für das gesamte Bistum Dinge beraten und entschieden werden.

    Das synodale Prinzip bedeutet: Alle sollen aufeinander hören und miteinander beraten. So will man klarer erkennen, was der Heilige Geist sagen will. Die Kirche ist eine Gemeinschaft, in der manche Menschen eine besondere Verantwortung haben. Diese Verantwortung können sie nur tragen, wenn alle miteinander beraten. So bestimmen alle mit und treffen gemeinsam Entscheidungen. Das synodale Prinzip bedeutet also: Alle Christen hören aufeinander und lassen sich aufeinander ein. So werden sie zu Personen, die handeln und mitgestalten.Das entspricht einem alten römischen Rechts-Grundsatz: Was alle angeht, muss von allen besprochen werden.

  • 2.4.2 Warum ist das nicht einfach?

    Das synodale Prinzip im gesamten Bistum leben bedeutet nicht, dass eine Basisdemokratie eingeführt wird. Es wird auch in Zukunft Menschen geben, die besondere Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen.

    Was sich verändert, ist die Art und Weise, wie Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden. Dafür müssen alle wissen, worum es geht, und miteinander darüber reden. Die Menschen, die die Entscheidungen treffen, müssen die Ergebnisse der Beratung auch anerkennen und umsetzen.

    Die Kirche will das synodale Prinzip leben. Denn sie vertraut darauf, dass alle Getauften etwas zum Verständnis des Glaubens beizutragen haben. Deshalb ruft sie dazu auf, aufeinander zu hören und voneinander zu lernen.

  • 2.4.3 Wovon heißt es Abschied nehmen?

    Das synodale Prinzip im gesamten Bistum leben bedeutet auch, dass die Kirche von einigen Vorstellungen Abschied nehmen muss. Das heißt:

    • Wir gehen nicht mehr davon aus, dass das kirchliche Leben in allen Punkten zentral gesteuert wird.
    • Wir gehen davon aus, dass viele Menschen in der Kirche Entscheidungen treffen können und wollen, nicht nur die, die hauptamtliche für die Kirche arbeiten.
  • 2.4.4 Was folgt daraus?

    Es ist sehr wichtig, dass es im Bistum Trier klare und verlässliche Strukturen gibt. Dann kann das synodale Prinzip im Bistum auch gelebt werden.

    Alle sollen daran beteiligt sein, wenn Entscheidungen vorbereitet, diskutiert und getroffen werden. Alle Wege und Ergebnisse bis zur Entscheidung müssen bekannt sein; sie müssen gut erklärt und verständlich gemacht werden.


3 Haltungen und Kultur

Die Synode ermutigt die Kirche im Bistum Trier dazu, noch glaubwürdiger und überzeugender als bisher zu tun, wofür sie da ist. Dazu ist es notwendig, dass die Kirche im Bistum Trier bestimmte Haltungen und eine bestimmte Kultur fördert und pflegt.

Haltungen sind innere Grund-Einstellungen eines einzelnen Menschen. Sie bestimmen das, was ein Mensch denkt und tut.

Kultur ist die Art und Weise, wie Menschen in einer Organisation miteinander und mit anderen umgehen. Kultur bildet sich heraus, wenn die Menschen in ihren unterschiedlichen Aufgaben über längere Zeit zusammenarbeiten.

Haltungen und Kultur bestimmen, wie Menschen handeln. Das gilt auch umgekehrt: Wenn Menschen handeln, beeinflussen sie damit auch die Haltungen und die Kultur.

Die Synode findet folgende Haltungen und Kultur-Merkmale sehr wichtig:

  • Jeder einzelne Mensch wird mit seinen Bedürfnissen und in seiner Lebens-Situation ernst genommen. Die Kirche im Bistum Trier will wirklich verstehen, was den einzelnen Menschen betrifft.
  • In der Kirche im Bistum Trier gehen Männer und Frauen achtsam miteinander um und es geht zwischen ihnen gerecht zu, und zwar
    • im täglichen Zusammenleben,
    • in der Ausübung der kirchlichen Dienste,
    • bei der Verteilung und Vergabe der kirchlichen Aufgaben und
    • bei der Besetzung von Führungspositionen.
  • Die Kirche im Bistum Trier verpflichtet sich, Kinder und Jugendliche besonders zu stärken und zu schützen.
  • Die Kirche im Bistum Trier sorgt dafür, dass im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben ein achtsamer Umgang miteinander selbstverständlich gelebt wird.
  • Alle Menschen sollen am gesellschaftlichen und am kirchlichen Leben teilnehmen können. Die Kirche im Bistum Trier soll helfen, dass das möglich ist. Diese Aufgabe haben alle, die zum Bistum Trier gehören: die einzelnen Menschen, die Gemeinschaften und die ganze Organisation.
  • Die Kirche im Bistum Trier akzeptiert: Es gibt heute verschiedene Formen, wie Menschen als Familie zusammenleben. Es ist ein wichtiges Anliegen, dass Familien gut zusammenleben, denn sie sind der entscheidende Baustein der Kirche und der Gesellschaft.
  • Die Kirche im Bistum Trier hält die „Option für die Armen“ und die Bewahrung der Schöpfung für besonders wichtig. Das ist ein Auftrag aus der Bibel, eine Verpflichtung für alle Christinnen und Christen und eine soziale Aufgabe.

„Option für die Armen“

Die Option für die Armen hat ihren Ursprung in der Bibel. Die Bibel erzählt immer wieder davon, dass Gott sich den Armen ganz besonders zuwendet. Deshalb ist für die Kirche klar: Auch sie muss sich für die Menschen einsetzen, die in Armut, Not und bedrängenden Situationen leben müssen. Sie muss mit ihnen dafür kämpfen, dass sie gute und gerechte Lebensbedingungen bekommen.    

  • Geflüchtete Menschen sollen aufgenommen werden. Die Kirche im Bistum Trier soll vorleben: Wir hier in Deutschland wollen mit ihnen teilen. Die Kirche im Bistum Trier wendet sich gegen eine Haltung, die die flüchtenden Menschen mit harten Maßnahmen aus Deutschland fernhalten will.
  • Alle in der Kirche haben aufgrund ihrer Taufe eine gemeinsame Würde und Verantwortung. Sie gehen so miteinander um, dass man das spürt. Priester, Diakone und Laien, die ehrenamtlichen und die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – sie alle nehmen die Würde der anderen ernst und handeln danach. Sie tun das im Alltag, aber auch, wenn sie ihre Aufgaben und Funktionen erfüllen.
  • Der Heilige Geist hat den Menschen Charismen geschenkt. Es ist die gemeinsame Aufgabe aller Menschen in der Kirche, diese Charismen zu entdecken und zu fördern. Das geschieht auf vielfältige Weise, zum Beispiel dann, wenn man Priester, Diakone und alle Menschen, die hauptamtlich und ehrenamtlich in der Kirche mitarbeiten,
    • für den Dienst in der Kirche begeistert,
    • für ihre Aufgaben ausbildet,
    • in ihrem Dienst begleitet und unterstützt.
  • Alle Getauften sind dazu berufen und haben den Auftrag, ihren Glauben an Jesus Christus mit allem, was sie tun und sagen, zu zeigen. Alle sollen für ein Leben nach dem Evangelium werben. Für die Glaubwürdigkeit der Kirche ist das ein entscheidender Punkt.
  • Was die Kirche im Bistum Trier tut, soll von hoher Qualität sein. Es werden Kriterien entwickelt, mit denen man das erkennen und überprüfen kann. Diese Kriterien betreffen folgende Fragen:
    • Wie geschieht das, was wir tun, auf menschliche Weise und wird den Menschen gerecht?
    • Wie dient es der Sache oder dem Thema?
    • Wie kann es alle Sinne ansprechen, zum Beispiel im Gottesdienst?
  • Jesus Christus hat gebetet, dass seine Jüngerinnen und Jünger eins sein sollen, das heißt: dass sie sichtbar miteinander und mit ihm verbunden sind (Johannes-Evangelium, Kapitel 17). Deshalb will die Kirche im Bistum Trier ihr Beten und Handeln im Sinn der Ökumene​​​​​​​ mit dem Beten und Handeln der anderen christlichen Glaubensgemeinschaften verbinden. Sie möchte festere Beziehungen zu ihnen aufbauen und pflegen.
  • Die Menschen haben unterschiedliche Arten von Glauben, und manche glauben auch an gar nichts. Das muss respektiert werden. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, mit Menschen anderer Religionen und unterschiedlicher Kulturen Kontakt aufzunehmen und Gespräche zu führen. Wenn man fremden Menschen oder fremden Meinungen begegnet, kann man viele neue Erkenntnisse gewinnen. Es hilft, neu und anders über sich selber nachzudenken.
  • Es ist eine wichtige Aufgabe der Kirche im Bistum Trier, mit den Menschen an vielen unterschiedlichen Orten ins Gespräch zu kommen. Das soll an bekannten und an neuen Orten geschehen. Die Christinnen und Christen lassen sich auf das ein, was die Menschen dort zu sagen haben, und sie bringen auch ihre eigenen Sichtweisen ins Gespräch. So finden sie heraus, wie sie in einer vielfältigen Gesellschaft glaubwürdig als Christen leben können und welche Kraft dazu im Evangelium steckt.
  • Im Gespräch mit anderen ist es wichtig, respektvoll miteinander umzugehen. Alle müssen sich verlassen können auf das, was gemeinsam besprochen wurde. Das gilt für jeden Einzelnen und auch für die Kirche als Organisation.

 


Ausblick: Was steht außerdem im Abschluss-Dokument der Synode?

Hier sind die Kapitel 1, 2 und 3 des Abschluss-Dokuments in Einfacher Sprache wiedergegeben. Das Abschluss-Dokument hat noch 3 weitere Kapitel. Diese Kapitel heißen:

4. Neu handeln

5. Weitergehende Erkenntnisse – Grenzen als geistliche Herausforderung

6. Einen neuen Anfang wagen und Kurs halten

 

Was steht in diesen Kapiteln?

4. Neu handeln

In diesem Kapitel beschreiben die Mitglieder der Synode einzelne Maßnahmen. An diesen Maßnahmen soll man merken: Die Perspektivwechsel und die Haltungen und Kultur, um die es in den Kapiteln 2 und 3 geht, werden in der Kirche im Bistum Trier wirklich gelebt.

Die Mitglieder der Synode haben die Maßnahmen in 6 Abschnitte geordnet. Die Überschriften der Abschnitte sagen, worum es dabei geht:

4.1 Zu den Menschen gehen

4.2 Vielfalt als Geschenk Gottes annehmen

4.3 Den Glauben bezeugen

4.4 Neue Formen der Gemeinschaft vor Ort schaffen

4.5 Verantwortung teilen

4.6 In Beziehungen leben

5. Weitere Erkenntnisse – Grenzen als geistliche Herausforderung

In diesem Kapitel geben die Mitglieder der Synode zu, dass sie einige wichtige Themen nicht ausführlich genug bearbeitet haben. Sie haben gemerkt, dass die Beratung in der Synode Grenzen hat. Sie weisen darauf hin, dass diese Themen nach der Synode aufgegriffen werden sollen.

6. Einen neuen Anfang wagen und Kurs halten

In diesem Kapitel bekräftigen die Mitglieder der Synode: Die Veränderungen, die sie beschrieben haben, sollen in der Kirche im Bistum Trier Wirklichkeit werden. Das ist nötig, damit die Kirche glaubwürdig und überzeugend das tun kann, wofür sie da ist. Dazu müssen die Christinnen und Christen bereit sein, sich von alten Dingen zu verabschieden, damit das Neue entstehen kann.

Die Mitglieder der Synode sagen auch: Die Kirche ist für die einzelnen Menschen da und für die Gemeinschaft. Deshalb ist wichtig: Die Kirche im Bistum Trier soll das, was sie tut, gut tun, damit es allen nützt. Sie soll Regeln festlegen, die dabei helfen. Sie soll überprüfen, ob etwas gut war, und daraus lernen.

So soll die Kirche im Bistum Trier einen neuen Anfang wagen.

 


Wort-Erklärungen

  • Atmosphäre Switch

    Unter Atmosphäre versteht man die Stimmung, die in einem bestimmten Raum oder Umfeld herrscht. Alle Dinge und Personen in diesem Umfeld tragen zur Atmosphäre bei.

  • Basisdemokratie Switch

    In einer Basisdemokratie wirken alle Mitglieder einer Gemeinschaft oder Gruppe direkt an Entscheidungen mit. Meist gilt das Mehrheits-Prinzip: Es wird das gemacht, was die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer möchte.

  • Bistum Switch

    „Kirche im Bistum Trier“

    Die römisch-katholische Kirche ist eine große Gemeinschaft von gläubigen Menschen. Sie ist in verschiedene Bistümer unterteilt. In Deutschland gibt es 27 Bistümer. Jedes Bistum wird von einem Bischof geleitet.

    Zum Bistum Trier gehören mehr als die Hälfte des Bundeslandes Rheinland-Pfalz und der Großteil des Bundeslandes Saarland. Alle katholischen Christinnen und Christen in diesem Gebiet bilden zusammen die Kirche im Bistum Trier. Das Wort Diözese hat die gleiche Bedeutung.

  • Charisma, Charismen (Mehrzahl) Switch

    Ein Charisma ist eine Gabe, die einem Menschen von Gott geschenkt wurde.

    Das kann zum Beispiel sein:

    • anderen beistehen,
    • zuhören können,
    • Menschen von Gott so erzählen, dass sie das gut verstehen.

    Ein Charisma erkennt man daran:

    • helfen, die christliche Gemeinschaft aufzubauen und zu gestalten.
    • helfen, dass die Nächstenliebe verwirklicht wird.
    • Menschen verstehen die Frohe Botschaft von Jesus.
  • ehrenamtlich, Ehrenamtliche Switch

    Personen, die eine Aufgabe freiwillig und ohne Bezahlung übernehmen.

  • Evangelium Switch

    Evangelium ist ein griechisches Wort und bedeutet Frohe Botschaft von Gott.

    In der Bibel besteht das Evangelium aus den Erzählungen von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes über Jesus Christus.

    Darin steht, wie Jesus gelebt hat, was er getan und gesagt hat, wie er am Kreuz gestorben ist und wie Gott ihn von den Toten auferweckt hat.

  • Generalvikar Switch

    Der Generalvikar ist der Stellvertreter des Bischofs. Er leitet das Bischöfliche Generalvikariat. Das ist die zentrale Verwaltung des Bistums.

  • hauptamtlich, Hauptamtliche Switch

    Personen, die angestellt sind und für ihre Arbeit bezahlt werden.

  • Laie Switch

    Im Allgemeinen sind Laien Menschen ohne spezielle Fachkenntnisse.

    Im Bereich der Kirche hat das Wort eine andere Bedeutung. Hier sind die Laien alle Getauften, die nicht zum Priester oder Diakon geweiht sind.

  • Ökumene Switch

    Ökumene bezeichnet die Verbundenheit und Zusammenarbeit unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften (evangelische, katholische, orthodoxe, …).

  • Pastoraler Raum, Pastoral Switch

    Ein Bistum ist in viele einzelne Gebiete unterteilt. Das ist zum Beispiel eine Pfarrei oder mehrere Pfarreien zusammen. Für jedes Gebiet sind ein Pfarrer und weitere Seelsorgerinnen und Seelsorger zuständig. Sie arbeiten mit Christinnen und Christen zusammen, die dort wohnen: Sie helfen Menschen in Not, sie erzählen von Gott, sie feiern Gottesdienste, sie bauen Gemeinschaft auf. All diese Tätigkeiten nennt man „Pastoral“. Ein solches Gebiet heißt daher auch „pastoraler Raum“.

  • Perspektivwechsel Switch

    Perspektive bedeutet Sichtweise oder Blickwinkel.

    Wenn Menschen einen Perspektivwechsel machen, ändern sie den Blickwinkel oder die Sichtweise auf Dinge. Sie betrachten zum Beispiel Probleme von einer anderen Seite aus.

  • Pfarrei Switch

    Eine Pfarrei ist eine rechtlich abgegrenzte Gemeinschaft von Gläubigen. Der Leiter einer Pfarrei heißt Pfarrer.

  • Prinzip Switch

    Das ist eine feste Regel, nach der ein Mensch oder eine Gemeinschaft handelt.

  • Struktur Switch

    Struktur ist die Art und Weise und die Regeln, wie eine Gesellschaft oder eine Gemeinschaft aufgebaut und gegliedert ist, damit sie funktioniert.

  • synodal Switch

    die Synode betreffend

  • Synode Switch

    Die Synode ist in einem Bistum der römisch-katholischen Kirche eine Versammlung von Menschen aus dem ganzen Bistum. Priester und Laien treffen zusammen, um bestimmte Themen zu besprechen. Der Bischof beruft die Synode ein und bestimmt die Themen. Er setzt auch die Ergebnisse in Kraft.

  • Würde des Menschen, würdevoll Switch

    Jeder Mensch ist gleich viel wert und jeder Mensch ist wertvoll.

    Die Würde eines Menschen ist unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Bildung und Fähigkeiten. Die Würde eines Menschen wird nicht immer von allen geachtet. Manchmal verletzen Menschen die Würde von anderen Menschen, zum Beispiel durch körperliche oder seelische Gewalt.

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