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Einblicke 4 - Stand: September 2021

Zeit des Übergangs: vom Dekanat zum Pastoralen Raum

Mit der Errichtung der Pastoralen Räume ist die Aufhebung der Dekanate verbunden. Seit 2004 gab es diese Ebene nach der aktuell gültigen Ordnung als Bindeglied zwischen Pfarreien und Bistum; rechtlich nicht selbstständig, aber mit Organen und Strukturen für pfarreien-übergreifende Zusammenarbeit bei verschiedenen Themen der Seelsorge und der Verwaltung; mitverantwortlich für die gesellschaftliche Präsenz der Kirche.

Wenn nun die Dekanate von den Pastoralen Räumen abgelöst werden, geht es einerseits darum, Bewährtes in neue Formen und eine andere Infrastruktur zu überführen. Gleichzeitig wollen die Pastoralen Räume nicht einfach nur „Dekanate 2.0“ sein, sondern sie sollen sich entwickeln in Anwendung des Rahmenleitbildes für die Pfarrei und den Pastoralen Raum, das u.a. durch Leitsätze den inhaltlichen Weg des pastoralen Handelns gemäß des Synoden-Abschlussdokuments beschreibt. Diesen Auftrag macht Bischof Stephan immer wieder deutlich  vgl. auch zum Pastoralen Raum).

Um die Übergänge auch für das Personal gut zu gestalten, finden u.a. im September 2021 Gespräche der Personalverantwortlichen und betreffenden Mitarbeitervertretungen mit Dekanatssekretärinnen und Reinigungskräften der Dekanatsbüros statt, die allesamt Mitarbeitende des Bistums sind.

Erwartungen an den Pastoralen Raum

  • Rainer Stuhlträger, Dekanat Losheim-Wadern

    Ab dem 1. Januar 2022 soll der Pastorale Raum Wadern errichtet werden. Als Dekanatsreferent des bisherigen Dekanates Losheim-Wadern, das in den pastoralen Raum überführt wird, unterstütze ich diese Entscheidung des Bischofs, auch wenn noch viele Fragen offen sind und ich manchen Details sogar skeptisch entgegen sehe.

    Vom Pastoralen Raum erwarte ich mir einerseits eine Verstärkung der guten Vernetzung und des Geistes der Zusammenarbeit und der Innovation, die wir in den letzten Jahren in unserem Dekanat versucht haben umzusetzen.

    Andererseits benötigen wir aber auch eine gute Unterbrechung des Bisherigen, um Raum zu geben für neue Impulse der Pastoral im Sinne einer diakonisch-missionarischen Kirchenentwicklung. Das Dekanat, so meine Erfahrung der letzten Jahre, lebte vom freiwilligen Einsatz von Haupt- und Ehrenamtlichen, dem Gedanken der Subsidiarität und dem genutzten Freiraum. Dadurch wurde Manches möglich. Ob dies in der Jugendarbeit war, die durch unsere Jugendkirche Mia ein großer Schwerpunkt wurde, in der Trauerpastoral, der Familienpastoral oder der Kooperation mit der Caritas, nur um einige Beispiele zu nennen. In manchen Situationen habe ich mir aber doch eine größere Verbindlichkeit, eine verstärkte Fehler- und Lernkultur, und eine bessere Kommunikation gewünscht.

    Auch die neue Struktur wird vom Willen und Einsatz der handelnden Personen abhängen, aber ich erhoffe mir doch eine Entwicklung zum besseren und professionellerem kirchlichem Handeln. Und da beginnen meine Fragen. Denn wir werden weiterhin gegen das Bild eines Nebeneinanders von Pfarrei und Pastoralen Raum ankämpfen müssen und ich rechne daher mit Konflikten. Auf dem Land wird es immer eine Balance brauchen zwischen Investitionen in kirchliche Gemeinschaften in den Dörfern und Investitionen in einzelne innovative Projekte, Personalgemeinden und Aktionen unabhängig von den Dorf- und Pfarrstrukturen.

    Die Synode hat viele sehr wichtige Ziele der Pastoral formuliert, an der das Handeln von uns als Kirche schon jetzt gemessen wird. Zurzeit kommen wir dabei (oft zu Recht) nicht sonderlich gut weg. Gerade in den Sondierungsgesprächen kam die Botschaft: Viele kirchlich Engagierte sind mittlerweile müde von den langen internen Struktur-Debatten und sind froh, dass nun etwas Klarheit darüber herrscht, wie es weiter geht und dass nach den vielen Worten nun endlich Taten erfolgen.

  • Christoph Morgen, Dekanat Völklingen

    Die Errichtung des Pastoralen Raumes sehe ich als Chance und als sichtbares Startsignal für eine verstärkte pastorale und inhaltliche Umsetzung der Ergebnisse der Synode. Ich würde mir wünschen, dass die Fragen um Strukturen stärker in den Hintergrund rücken, und der „Raum“ frei wird, um gemeinsam diakonisch und missionarisch unterwegs zu sein. Es geht darum, mit allen, die dazu bereit sind, ob ehrenamtlich oder hauptberuflich engagiert, ob in der Pastoral, in der Caritas und in anderen auch außerkirchlichen Einrichtungen tätig, nach innovativen Wegen zu suchen, um das Wort Gottes zu den Menschen zu bringen und für die Menschen da zu sein, die in Not sind und unsere Unterstützung benötigen.

    Der Abschied vom Dekanat fällt mir nicht leicht. Das Dekanat ist mir in den letzten 20 Jahren zu meiner beruflichen „Heimat“ geworden. Ich habe das Dekanat als pastorale Handlungsebene erlebt, in der Innovation möglich gewesen ist und neue Wege gesucht und gefunden werden konnten. Im Dekanat konnte man sich über die Grenzen der Pfarrei hinaus vernetzen, man konnte miteinander neu denken und durch Bündelung von Kräften Impulse geben und Projekte anstoßen, die allein in den Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften nicht möglich waren.

    Aber ebenso habe ich im Dekanat oft Grenzen erlebt. Das Dekanat lebte davon, dass sich „Menschen guten Willens“ zusammen gefunden haben und geeignete Rahmenbedingungen vorhanden waren. Aber die Formen der Zusammenarbeit in Dekanatskonferenzen und Fachkonferenzen blieben vielfach unverbindlich. Die Mitarbeit war mehr oder weniger freiwillig, ein Fernbleiben von gemeinsamen Konferenzen blieb in der Regel sanktionsfrei. Dies erschwerte es, gemeinsame Absprachen und Entscheidungen zu treffen, die von allen mitgetragen wurden.

    Vom Pastoralen Raum erhoffe ich mir eine neue Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit und eine neue Qualität in der Vernetzung der Pastoral. Damit die wertvollen Impulse der Synode fruchtbar werden können, sind die Pfarreien und die Pastoralen Räume auf ein Miteinander angewiesen, das von gemeinsamen Zielen, guter Kommunikation und einer konstruktiven Arbeitskultur geprägt ist. Vom Rahmenleitbild und dem PDCA-Zirkel* können wertvolle Signale dazu ausgehen.

    Mit Blick auf den Pastoralen Raum als Kirchengemeindeverband sehe ich weitere Herausforderungen und teile Bedenken, die in den letzten Wochen geäußert worden sind. Wie weit wird es zu Reibungsverlusten in der verpflichtenden Zusammenarbeit von Pfarrei und Pastoralen Raum kommen? Wie gelingt eine gute Verteilung des Personals und der Schlüsselzuweisung im Pastoralen Raum? Wie weit ist der Pastorale Raum selbstständig genug, oder wie weit ist er abhängig von den Ressourcen, die ihm der Kirchengemeindeverband zur Verfügung stellt? Mit Erleichterung habe ich die Entscheidung aufgenommen, dass den Pastoralen Räumen mehr Zeit bleibt, um den KGV vor Ort zu entwickeln.


    * "PDCA-Zirkel“ oder PDCA-Zyklus“ ist ein Fachbegriff für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess: „Zum ‚Kirche entwickeln‘ gehört eine wiederkehrende Schrittfolge aus pastoraler Planung, Durchführung von Aktivitäten, Überprüfung und Schlüssen darauf, was aus Fehlern zu lernen ist.“ (Rahmenleitbild)

  • Bischofswort

    „Insgesamt haben wir festgestellt, dass es eine erfreulich hohe Akzeptanz für das Konzept des Pastoralen Raums gibt. Aber die Rückmeldungen haben uns auch deutlich gemacht, dass sich die Akteure in einer großen Anzahl von Räumen mehr Zeit wünschen und mehr Informationen zum  Pastoralen Raum benötigen.

    Wo die Skepsis, ob eine Errichtung des Pastoralen Raums zum 1. Januar 2022 gelingen kann, zu groß war, habe ich mich entschieden, den Verantwortlichen noch ein weiteres Jahr zur Vorbereitung zu ermöglichen. Dort ist die Errichtung zum 1. Januar 2023 vorgesehen. An der zügigen Errichtung, wie in meinem Schreiben vom 24. Februar angekündigt, wollen wir festhalten, aber die Sondierungsergebnisse auch insofern ernst nehmen, dass wir die Errichtung zu zwei Zeitpunkten  vollziehen.“

    Zitat aus dem Brief des Bischofs an die Verantwortlichen in den Räumen, die 2023 errichtet werden

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Die Inhalte dieser Themenseite zum Anhören - gelesen von Clemens Berwanger (Trierische Tonpost)

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